Liefertermine zuverlässig einhalten, Maschinen möglichst vollständig auslasten, Bestände reduzieren und gleichzeitig flexibel auf neue Kundenanforderungen reagieren: Produktionsverantwortliche müssen häufig mehrere Ziele verfolgen, die sich nicht ohne Weiteres miteinander vereinbaren lassen. Die Herausforderung besteht darin, diese Zielkonflikte frühzeitig zu erkennen und wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen zu treffen.
Warum nicht alle Ziele gleichzeitig optimal erreichbar sind
In der Produktionsplanung stehen unterschiedliche Anforderungen in einem engen Zusammenhang. Eine hohe Maschinenauslastung kann beispielsweise durch größere Fertigungslose erreicht werden. Gleichzeitig können dadurch längere Durchlaufzeiten und höhere Zwischenbestände entstehen.
Wird dagegen ein eiliger Kundenauftrag vorgezogen, verbessert sich möglicherweise dessen Terminsituation. Andere Aufträge müssen jedoch verschoben werden. Zusätzliche Rüstvorgänge können entstehen und vorhandene Kapazitäten werden anders beansprucht als ursprünglich vorgesehen.
Solche Zielkonflikte gehören zum betrieblichen Alltag. Sie lassen sich nicht grundsätzlich vermeiden, weil Produktionsressourcen begrenzt sind und unterschiedliche Aufträge um dieselben Kapazitäten konkurrieren.
Problematisch wird es vor allem dann, wenn die Auswirkungen einzelner Entscheidungen nicht ausreichend bekannt sind.
Entscheidungen brauchen eine ganzheitliche Betrachtung
Eine realistische Produktionsplanung muss deshalb unterschiedliche Ressourcen und Zielsetzungen gemeinsam berücksichtigen.
Dabei reicht es nicht aus, lediglich freie Maschinenkapazitäten zu ermitteln. Auch Personalverfügbarkeiten, erforderliche Qualifikationen, Material, Werkzeuge, Rüstzeiten und Abhängigkeiten zwischen Fertigungsschritten können entscheidend sein.
Ein vermeintlich freier Maschinenplatz ist beispielsweise wenig hilfreich, wenn das benötigte Material fehlt oder qualifiziertes Personal nicht zur Verfügung steht.
Ebenso muss eine Planungsentscheidung im Zusammenhang mit anderen Aufträgen bewertet werden. Wird ein Auftrag verschoben, kann dies Auswirkungen auf nachfolgende Arbeitsgänge, Liefertermine oder die Auslastung weiterer Ressourcen haben.
Eine isolierte Optimierung einzelner Bereiche führt deshalb nicht zwangsläufig zum besten Ergebnis für die gesamte Produktion.
Alternativen bewerten statt nur auf Engpässe reagieren
Moderne Advanced-Planning-and-Scheduling-Systeme ermöglichen es, unterschiedliche Planungsziele und Restriktionen in die Berechnung einzubeziehen.
Besonders hilfreich ist die Möglichkeit, alternative Szenarien zu betrachten.
Was geschieht, wenn ein Auftrag priorisiert wird? Welche Folgen hat eine zusätzliche Schicht? Wie verändert sich die Terminsituation, wenn ein Arbeitsgang auf eine andere Maschine verlagert wird?
Solche Fragestellungen lassen sich durch eine szenariobasierte Planung systematisch untersuchen. Verantwortliche erhalten damit eine Grundlage, um Handlungsalternativen anhand ihrer Auswirkungen zu vergleichen.
Das bedeutet nicht, dass sich jeder Zielkonflikt vollständig auflösen lässt. Häufig geht es vielmehr darum, einen nachvollziehbaren und wirtschaftlich vertretbaren Kompromiss zu finden.
Die Entscheidung darüber, welches Ziel im konkreten Fall Vorrang hat, bleibt eine unternehmerische Aufgabe. Digitale Planungssysteme können jedoch dazu beitragen, die Konsequenzen transparenter zu machen.
Fazit
Eine leistungsfähige Produktionsplanung muss mehr leisten als die Erstellung eines möglichst gut ausgelasteten Maschinenbelegungsplans. Sie muss konkurrierende Anforderungen berücksichtigen und ihre Auswirkungen auf die gesamte Fertigung sichtbar machen.
Mit becosAPS unterstützt becos die ressourcenübergreifende Produktionsplanung und die Bewertung alternativer Planungsszenarien. So können Unternehmen Zielkonflikte fundierter beurteilen und ihre Planung an den tatsächlichen betrieblichen Prioritäten ausrichten.